text

Pascholds Werke bestechen seit jeher durch ihre kompositorische Eigenleistung und handwerklichen Perfektionismus. Carola Paschold arbeitet, denkt und fühlt am Puls der Zeit. Sämtliche Werke sind frei Hand geschaffen – ja, zum Teil auf Anregung durch fotografische Vorlagen, aber nie ausgehend vom Fotodruck. Die Idee, die Pascholds Arbeiten zugrunde liegt, zeigt etwas Neues auf, das eher der Postmoderne und der Auffassung vom Verhältnis von Malerei und Fotografie zugeordnet werden kann. Ihre Gemälde konterkarieren fotorealistische Malerei, indem Paschold mit den Mitteln der Malerei deren illusionistische Funktion der Wirklichkeitsdarstellung bricht und sie in ihren aktuellen Arbeiten bis zur Unkenntlichkeit verfremdet und abstrahiert. Es entsteht eine autonome Wirklichkeit des Bildes.

In Carola Pascholds neuen NY-Arbeiten erhält die kompositorische Eigenleistung ein immer stärkeres Gewicht. Ihr Werk, das Zeitgeschehen pur und Zeugnis der Schnelllebigkeit unserer Zeit ist. Ihre neuen Arbeiten spiegeln die Faszination, die NY auf Menschen ausüben kann. Sie zeigen die Kreativität, Dynamik und vor allem die Energie, die in dieser Stadt zu spüren ist. Formal verwendet sie Gestaltungsmittel, die-wenn man den Vergleich sucht-zur neuen POP ART führen. Gleichzeitig finden sich aber auch Einflüsse der Street Art. Doch unter dem Strich steht: Dies ist Carola Pascholds ganz und gar eigener Stil-ein unverwechselbarer, individueller und eigenwilliger künstlerischer Ausdruck.

Dr. Klaudia Nebelin

Portrait XXL

Wenn Anna mit pink-farbigem Haar und Lippenpiercing zum elitären Abi-Ball erscheint, ist das Ausdruck einer ganzen Generation. Wenn sich Menschen in Facebook, Twitter und Co. virtuell begegnen, ist das das Lebensgefühl von heute. Es ist lebendig, schnell und voller visueller Eindrücke.

Carola Paschold ist fasziniert von den Ausprägungen unserer Zeit. Sie spürt der Flut der ständig wechselnden Eindrücke nach, sichtet die Medien und die Werbung, hört die aktuelle Musik, sieht die angesagten Filme, klickt sich durchs Netz und nimmt teil an den Lebenswelten ihrer jungen Töchter. Dabei ist sie stets auf der Suche nach ausdrucksstarken Menschen, die das Jetzt-Gefühl authentisch transportieren. Diese Menschen bannt sie in ihren großformatigen Bildern Portrait XXL als Ikonen ihrer Zeit. Die Menschen sind anonyme Modelle aus der Werbung, Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Medien, Menschen mit Migrationshintergrund, Teenager, Schauspieler und Sänger. Es sind Gesichter unserer Zeit, – wie Anna. Carola Pascholds Malereien sind dynamisch und vibrieren. Sie leuchten von innen heraus. Die Malweise reflektiert die Ästhetik der Popkultur. Damit verweist Carola Paschold auf ein Merkmal der Gegenwart, die populär kulturelle Ausprägung aller Lebensbereiche, von Infotainment bis hin zu Superstar. Die extremen Formate der Bilder zitieren die Dimensionen von Großbilddisplays und Werbeleinwänden, wie sie beispielsweise im Außenbereich an Häuserwänden über mehrere Stockwerke hinweg zu finden sind. Der Titel der Werkreihe greift damit ein weiteres Phänomen der Gegenwart auf, die visuelle Ausuferung über traditionelle Bildgrenzen hinweg in den öffentlichen Raum hinein.

Mit Portrait XXL lotet Carola Paschold diese Überlagerung verschiedener kultureller und künstlerischer Sphären aus, verbunden mit ihren sich ständig verschiebenden Wertigkeiten. Portrait XXL sind Portraits unserer sich wandelnden Gegenwart, verkörpert durch Menschen, als Posing and Action Subjects, als Various Actors und Unknowing Objects. Portrait XXL ist kollektives Bildgedächtnis.

Stefanie Lucci